Silver

If you carry me on your wings ...

Drei

Gekicher und Gegluckse reißt mich endgültig aus der Trance. Carter sieht mich kopfschüttelnd an und Cathy kann sich gar nicht wieder einkriegen. Bevor ich jetzt mit Fragen bombardiert werde springe ich aus dem Jeep und hechte zum Haupteingang. Flüchtig überfliege ich meinen Stundenplan für den heutigen Tag am schwarzen Brett ehe ich den Klassenraum betrete. Astronomie in der ersten Stunde. Schlechter konnte ein Montag Morgen kaum anfangen wenn man darauf auch noch gleich Mathe hatte.
Ich ziehe Buch und Heft aus meiner Tasche lege alles auf meinem Pult bereit und strecke die Beine aus. Gähnend warte ich auf das Stundenklingeln. Carter ist ebenfalls mit mir in Astronomie nickt mir erst zu und schüttelt dann mit dem Kopf als er herein kommt. Das soll mir wohl sagen das er und Cathy es nicht auf sich beruhen lassen werden. Es war nur eine Frage der Zeit bis Celine davon erfahren würde und dann würde es noch schlimmer werden. Ich lasse meinen Kopf auf das Pult sinken und schließe die augen als Prof. Mason den Raum betritt. Dicht gefoglt von Dean und seinem frechen Beifahrer. Die Klasse murmelt als Conrektor Marshall ebenfalls den Raum betritt. Ein kurzes Gemurmel der Erwachsenen gefolgt von dem Vorstellen der beiden Neuen Dean und Michael. Michael war allerdings nicht so blass wie Dean aber auch nicht so braun wie wir. Angeblich waren die beiden Austauschschüler.
Entnervt rolle ich mit den Augen und inspiziere meine Fingernägel. Eine neue Maniküre ist mal wieder angesagt. Michael nimmt an dem Pult neben mir Platz und Dean zwei Reihen hinter mir. Nachdem ich darauf warte das die Glocke endlich das Ende der Stunde einläutet. Kann ich Deans Blicke quasi auf meinem Rücken spüren. Aber immer wenn ich mich so unaufällig wie nur irgend möglich umdrehe sieht er ganz woanders hin. Es gibt auch keine logische Erklärung dafür das unserer High School plötzlich Austauschschüler annehmen würde. Das hat es bisher nie gegeben. Und wer soll mit den beiden getauscht haben? Ich meine nicht das ich alle Schüler kennen würde. Aber ich fand es denn noch seltsam.

Zwei

Zwei

Was, wenn ich dir sage, dass es alles vorherbestimmt ist?
      Würdest du mir glauben, würdest du zustimmen?
    Es ist fast wie das Gefühl als hätten wir uns schonmal getroffen
Also sag' mir, dass du nicht denkst, dass ich verrückt bin, wenn ich dir sage, dass deine Liebe hier und jetzt ist*

*Leona Lewis - A Moment like This

"Dean.", wiederhole ich in meinen Fingerspitzen beginnt es zu Kribbeln. Einn wildfremder Typ steht in unserer Küche und kocht für mich. Eigentlich sollte ich ihn rauswerfen. Wenn meine Mutter das wüsste würde sie völlig austicken. Ich lehne mich an die Kücheninsel und sehe ihm schweigend zu wie er schneidet, schält und eine Pfanne heiß werden lässt. Seine Hände arbeiten routiniert und ich frage mich ob er wohl ein guter Koch ist.
In der Pfanne brutzelt es und beginnt köstlich zu duften. Er setzt Nudelwasser auf und als das schließlich kocht und er die Nudeln hinein gegeben hat, wendet er sich zu mir und mustert mich von oben bis unten. "Sicher das es dir gut geht?", widerholte er diese eine bestimmte Frage. "Ja warum?" Allmälich macht es mir Angst immerhin muss es ja einen Grund geben weshalb er danach fragt. "Nur so..", murmelt er und wendet sich wieder dem Essen zu. "Hör mal...",sage ich fasse nach seiner Schulter und breche den Satz ab. Stromschläge durchzucken meinen Arm. Ich halte mir das Handgelenk und weiche zurück.
"Ich wollte das nicht ich... ich meine es ist ein Reflex...",hilflos bricht er ab und lässt den Kopf sinken. Wortlos starre ich ihn an und glaube für einen kleinen Moment buntes Schimmern in seinen Augen erkennen zu können. Abropo, welche Farbe hatten seine Augen eigentlich? Als würde ich plötzlich von einem starken Magneten angezogen nähere ich mich ihm wieder. Und kurz bevor ich tief in seine Augen sehen kann dreht er sich um schaltet den Herd ab und entzieht sich meiner Nähe. Sein Gesicht ist verschlossen reglos, und er sieht mich nicht an. "Vielleicht ist es besser wenn ich jetzt gehe.", sagt er dreht sich um und verschwindet einfach ohne meine Antwort abzuwarten. Mein Verstand verweigert mir den Dienst und kann die Situation einfach nicht aufklären. Was zum Geier hatte er denn für ein Problem, marschiert einfach in unser Haus ohne zu fragen, behauptet aus einem anderen Land zu kommen und stellt sich als wäre es selbstverständlich in unsere Küche um für mich zu kochen. Und dann haut er plötzlich ohne jede Erklärung wieder ab. Je mehr ich darüber nachdenke desto unheimlicher wird die Sache für mich. Ich muss mich unbedingt ablenken also gehe ich in den Flur und greife nach dem Telefon um Cathy anzurufen. Cathy ist meine beste Freundin wir kennen uns seid dem Kindergarten. Es klingelt und ich tippel ungeduldig mit den Fingern auf der Marmoroberfläche des Tresens der sich im Flur befindet. "Hallo?", fragte Cathy und es schnarrt im Hintergrund. "Was treibst du denn da?" , will ich wissen und nehme auf dem Hocker platz. "Ah Hope du bist es, ich bastel etwas für Timothy er darf vorerst wieder nach hause. Magst du vorbeikommen und mir helfen?" In ihrer Stimme konnte ich deutlich heraushören das sie allein etwas überfordert war. Wenn es um filigrane Dinge ging hatte Cathy zwei linke Hände und sie wusste ganau das sie auf mich zählen konnte. "Na wenn es sein muss, in zehn Minuten bin ich da.", sagte ich und legte auf. Seufzend pfeife ich nach Sunny um sie aus dem Garten zu holen. Anschließend erklimme ich die hölzernenen Stufen ins Obergeschoss um mich umzuziehen. Ich schiebe meine Zimmertür auf und erinnere mich leider daran das ich eigentlich aufräumen sollte und davon abgesehen ja ausserdem noch den Rasen mähen sollte. Ich weiß das es Ärger geben würde wenn ich es nicht tat andererseits hab ich auch wirklich keine Lust darauf. Die Türen des alten antiken Kleiderschranks meiner Großmutter stehen sperrangelweit offen. Also zucke ich mit den Schultern und ziehe ein paar Sportklamotten heraus. Nachdem ich mich angezogen habe binde ich mein welliges schwarzes dickes Haar zu einem Dutt und stürme hinaus.
Cathy wohnt nicht weit von mir, ich würde sagen fünf Minuten zu Fuß den Hügel hinauf. In einer weißen billig Bauweise möchtegern Villa mit englischem Rasen im Vorgarten der möchtegern extra eingeflogen wurde. (Ihre Eltern sind ein wenig exentrisch und rede zuviel.) Ich durchquee das miniatur dunkelbraune Gartentor und gehe den schmalen Weg aus Granitsteinen entlang als Cathy auch schon die Tür aufreißt. "Na endlich, du warst aber auch schonmal schneller, ich verzweifle an dem Bausatz." Sie lässt den Kopf und die Schultert symbolisch extra tief hängen und macht einen Schritt beiseite um mich einzulassen. "Was denn für einen Bausatz?", frage ich und steuere instiktief die Küche an. "Ein Vogelhäuschen, irgendwie bekomm ich das nicht gebacken.", ein Unterton schwinngt in ihrer Stimme mit und ich weiß das sie schon aufgegeben hat. "Na zeig mal her wir kriegen das schon zusammengebastelt.", sage ich und lasse mich an dem altmodischen nussbraunen Küchentisch nieder. Auf dem sind verschiedene Holzscheiben, Schräubchen, Nägel, Eisstiele, Leim und ein seltsam aussehendes Gebilde verteilt. Wahrscheinlich war das Cathys kläglicher Versuch es allein zu schaffen. Ich nehme mir die Anleitung und stelle fest das es ganz einfach ist wenn man die einzelnen Schritte Befolgt. Den Bauplan hatte sie sich aus dem Internet geholt. "Sag mal hast du dir das hier eigentlich auch mal genauer angesehen? Du hast genau falsch angefangen.", sage ich und deute auf ihr Pseudovogelhäuschen. Sie zieht die blonden Augenbrauen zusammen und kräuselt den Mund. Das reicht mir um zu wissen das sie das nicht getan hat. "Also ich glaube dü würdest nicht mal ein billy Regal eines gewissen schwedischen Möbelhauses zusammen bauen können." Und kneife ihr dabei freundschaftlich in den Arm als sie sich herüberbeugt.
nachdem ich ihren Versuch wieder demontiert hatte und ungefair eine Stunde lang geschraubt geklebt und gesteckt hatte, hatte ich ein ansehnliches Vogelhäuschen zustande gebracht. Nicht perfekt aber es erfüllte durchaus seinen Zweck. "Du hast doch nichts dagegen ... wenn.", beginnt sie. "Du behauptest das dus alleine gebaut hast.", beende ich ihren Satz und sie nickt schuldbewusst. "Ja klar kein Thema aber Timothy wird es merken." "Wir werden sehen.", erwidert sie und kneift mich nun ebenfalls in den Arm. Sie geht nach draußen hinter das Haus um es im Garten aufzustellen. Ich schäle mich in der Zwischenzeit aus meiner Sportjacke und sammle die Sachen zusammen mit der wir den Küchentisch verwüstet hatten. Cathy kommt aus dem Garten als sich Zeitgleich die Haustür öffnet und Timothy hineinstürmt. Timothy , Cathys jüngerer Bruder ist Autist mit einem Fotografischen Gedächnis. Er ist sechs Jahre alt und spielt Klavier wie ein Erwachsener. Allerdings kann er andere normale Dinge nicht erfassen, er kann sich nicht lang allein beschäftigen, ist launisch und anstrengend. Und sprachlich scheint er manchmal völlig normal und dann gibt es Tage an denen er auf den Stand eines drei bis vier Jährigen zurückfällt. Mit rechnen  verhält es sich ähnlich. Große Zahlen kann er erfassen und im Kopf ausrechnen aber simple einfache Aufgaben sind für ihn manchmal unlösbar. Er kommt in die Küche gestürmt und ruft: "Wo ist sie?" Als er schon wieder durchs Wohnzimmer spurtet und durch die Terrassentür in den Garten rennt. Seine blaue Lazhose ist an den Knien bereits durchgewätzt. Ich gehe ihm nach und beobachte durchs Wohnzimmerfenster ihn und Cathy. Seine blonden Locken glänzen golden obwohl sich die Sonne hinter den schweren Wolken versteckt hält. Freudestrahlend kommt er wieder rein. "Cathy behauptet sie hat es gebaut stimmt das?" ,fragt er und seine scholaden braunen Augen fixieren mich. Ich zucke mit den Schultern. "Ja wer soll es denn sonst gewesen sein?" Ich zwinkere ihm zu. "Ich wusste es." , quietscht er und umarmt mich fest. "Ich habe nur geholfen.", beteuere ich und Timothy brummt etwas an meiner Schulter das sich nach "jaja schon klar" anhört. Schürmisch löster er sich von mir und stürmt als nächstes hinauf in sein Zimmer wo man lautstark die Tür krachen hört. Ich verharre in der Hocke und sehe Cathy zu wie sie noch etwas Vogelfutter in den dafür vorgesehenen Trog füllt. Hände abreiben kommt sie wieder hinein und ich stehe auf. "Dein Bruder ist wieder da." "Ja in ganzer Pracht." , lacht sie. "Ich wusste das er dir das nicht abkauft." "Einen Versuch war es wert Hope.",sagt sie und lässt sich auf die große weiße Ledercouch fallen als sie plötzlich wieder aufspringt. "Hope! Hast du dich etwa stechen lassen? Ohne mir etwas davon zu sagen? Mensch ich wäre doch mitgekommen.", plappert sie und ich begreife garnicht was sie überhaupt meint. "Wovon redest du ich hab mich nirgends stechen lassen ausser du meinst den Mückenstich auf meiner Wade." Cathys Gesicht versteinert. Schwungvoll streift sie ihr glattes blondes Haar von der Schulter  und packt mich am Handgelenk um mich ins Badezimmer zu zerren. "Da willst du mir sagen das ich mir das einbilde? Oder ist es ein Abziehbildchen?" Vor dem Spiegel postiert starre ich meine Schulter an. Dort war ein etwa drei Finger goßes Tattoo. Oder zumindest irgendetwas ähnliches. Ich gehe näher an den Spiegel um mich genau beäugen zu können. Bei näherem Hinsehen war es tatsächlich mehr eine Art Abziehbildchen denn es wirkt nicht tief. "Was soll das eigentlich sein?", fragt Cathy und späht über meine andere Schulter ebenfalls in den Spiegel. "Hm, verschnörkelte Spiralen oder Ringe. Ich kanns nicht genau erkennen." "Zeig mal her." Ich drehe mich um und Cathy beäugt mich skeptisch. "Eher Ringe würde ich sagen. Wo hast du das Ding denn her?" Skebtisch sieht sie mich an und ihr Gesicht ist nach wie vor eine eingeschnappte Maske. "Ehrlich Cathy ich habe keine Ahnung." Ungläubig betrachte ich es noch einmal im Spiegel.
Blitzartig schießt mir Dean in den Sinn. Das is doch die Stelle an der er mich berührt hat als ich ihn das erste mal am Strand gesehen habe. Und dann war da ja noch dieser merkwürdige Stromschlag als er für mich kochen wollte. Da gab es einen Zusammenhang da war ich mir hundert Prozent sicher.  "Vielleicht hat mich ja jemand Vorgestern auf der Party angemalt. Ich meine unter Alkohol entgeht einem ja Vieles.", sage ich. Cathy ist aber noch nicht ganz überzeugt in ihrer Miene spiegelt sich das Für und Gegen meiner Worte. "Meist du wirklich? Also ich bezweifle das doch, aber kann auch sein das sich da jemand nur einen dummen Scherz erlaubt hat. Du solltest nur aufpassen das deine Mutter das nicht sieht. Ich meine du kannst ihr ja schlecht erklären das du auf einer Party warst auf der Alkohol ausgeschenkt wurde, das bringt uns in Teufels Küche." "Cathy! Denkst du ich bin völlig bekloppt? Ist mir schon klar das es besser ist wenn sies nicht sieht. Ich werd auch erstmal wieder nachhause gehen, ich muss nämlich noch den Rasen mähen wenn ich das wieder nicht mache flippt sie eh schon aus." Nachdem ich den Rasen gemäht hatte, verbrachte ich weitere zehn Minuten im Badezimmer um mir das seltsame Tattoo anzusehen ehe ich mir die Sportjake wieder überziehe. Sunny klopft mit dem Schwanz auf dem besch farbenen Flokati als sie mich aus dem Badezimmer kommen sieht. Ich weiß genau was sie will, Futter aber das kann meine Mutter auch noch machen wenn sie später wieder da ist. Der Tag hat mich einfach total geschafft und meine Augen sind schwer. Also gehe ich ins Bett. So bin ich wenigstens ausgeschlafen.
Ich sitze schon bei meiner zweiten Cornflakesschale als meine Mutter aus dem Schlafzimmer kommt das gegenüber vom Flur liegt. "Guten Morgen Hope, hast du gut geschlafen? Es hat mich ja gewundert das du gestern schon im Bett warst als ich nachhause kam." "Guten Morgen Mom, ja ich war einfach müde deshalb hab ich mich eher hingelegt. Ich werd dann jetzt auch los okay?" "Sicher Schatz ich wünsch dir viel Spaß.",murmelt sie mit vollem Mund während sie die Zeitung aufschlägt und den Marmeladentoast beiseite legt. Strahlender Sonnenschein begegnet mir als ich die Haustür öffne. Natoll das ganze Wochenende beschissenes Wetter und jetzt wo ich zur Schule muss ist es wieder schön typisch. Brummend steige ich auf meinen babyblauen metallic glänzenden Roller. Mit blubberndem Motor rausche ich Richtung Schule. Kurz bevor ich den Parkplatz erreiche scheidet mich eine schwarze drekige Crossmaschine. Der Beifahrer schiebt sein Visier hoch und zeigt mir ein Peace Zeichen. Unverschämtheit. Wenn ich den zufassen kriege. Auf dem Parkplatz stelle ich meinen Roller wie immer direkt neben Cathys Jeep und klettere auf ihren Rücksitz. "Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?",fragt sie während sie Carter platz macht der sich auf den Beifahrersitz fallen lässt. "Ach vorhin hat mich irgendso ein Idiot geschnitten, wenn der mich gerammt hätte, ich muss noch ne Weile mit dem Roller auskommen ehe ich ein Auto bekomme." "Der da?",fragt Carter als der Typ mit dem schwarzen Helm und seinem Beifahrer über den Parkplatz maschiert. "Ja genau der.", brumme ich undeutlich und ziehe die Füße auf den Sitz. Im selben Moment nimmt er den Helm ab und mir bleibt die Spucke weg.  Als könnte er meinen Blick auf seinem Rücken spüren dreht er sich abrupt um. Unsere Blicke treffen sich und die Zeit scheint still zu stehen. Tunnelblickartig starre ich in seine Augen. Nehme nichts mehr war ausser ihm. Vorsichtig fasst in Zeitlupe hebt er die Hand und ein atemberaubendes Lächeln breitet sich auf seinem Geischt aus ehe es wieder der mir schon bekannten Maske weicht. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals meine Hände fühlen sich zittrig an und gleichzeitig kriecht die seltsame Kälte wieder meinen Rücken empor. Trockene Enge in meiner Kehle lässt mich schwer schlucken, dann dreht er sich um und der Moment endet.



Eins


Wenn man der Meinung ist, sein Ziel endlich erreicht zu haben und kurz vor der Auflösung des Rätsels steht, so sollte man bedenken, das hinter folgenden Wegbiegungen erneut ein Labyrinth aus Gängen und Schächten lauern könnte. Auch der Durchbruch zum Himmel könnte in eine weitere und düstere Ebene führen....

Weißt du wo dein Herz ist?
Denkst du, dass du es finden kannst?
Oder hast du es gegen etwas anderes eingetauscht?
Gegen etwas besseres, nur um es zu haben?
Weißt du wo deine Liebe ist?
Denkst du, dass sie verloren gegangen ist?
Du hast es so intensiv gefühlt, aber
Nichts entwickelte sich so, wie du es wolltest.... * 

*one republic - say all i need



Eins

Ich spüre meine Zehen die sich langsam in den kalten Sand bohren. Meine Schritte hinterlassen eine einsame Spur. Der Wind ist leise und streichelt meine Haut. Die Wellen schlagen unaufhörlich... ein ewiges Rauschen in der Stille. Ich sehe auf meine Uhr und stelle fest das es bereits nach Mitternacht ist. Der Mond strahlt so hell das man hätte problemlos ein Buch lesen können. Ich lasse mich nieder und male gedankenverloren abstrakte Zeichen in den Sand bis ich meine Augen schließe und dem Meer lausche. Plötzlich lässt mich ein plätscherndes Geräusch aufsehen. Kommt da gerade Jemand aus dem Meer? Ich kneife die Augen zusammen um besser sehen zu können aber ich bin mir noch immer nicht sicher ob mir meine Einbildung einen Streich spielt. Also warte ich einen Moment ob sich da tatsächlich jemand auf mich zu bewegt.
Die Umrisse werden deutlicher, es ist eine männliche Person, dunkle Shorts die bis über die Knie reichen, dunkle Haare und ungewöhnlich helle Haut für diese Region. Er kommt auf mich zu und scheint mich erst spät zu bemerken denn plötzlich stockt er mitten in seiner Bewegung. Einen Augeblick verharrt er so und entschließt sich dann wohl weiter zu gehen. Ich stehe auf und klopfe mir den Sand von den Kleidern, immerhin könnte das ein Triebtäter, Mörder oder was auch immer sein falls ich weglaufen muss stehe ich zumindest schon mal.
Ein seltsamer kalter Wind kommt auf obwohl es fasst immer warm ist. Die Häärchen in meinem Nacken richten sich Kerzengerade auf. Dann hat er mich erreicht. Mir stockt der Atem denn er sieht umwerfend aus. Die Haare sind vielleicht ein bisschen zu lang. Seine Augen wirken dunkel, tief, unergründlich und ruhig. Seine helle Haut leuchtet wie Elfenbein im Mondlicht. Und bildet einen starken Kontrast zu der dunklen Hose. Haare hängen ihn in seine Stirn und ich bin so in Trance das ich einen Moment lang versucht bin diese Strähnen zu berühren. Kribbeln breitet sich in meinem ganzen Körper aus. Ich hebe die Hand ein wenig, lasse sie jedoch wieder sinken. Sein Gesichtsausdruck verrät nichts über die Gedanken die sich vielleicht dahinter verbergen. Langsam hebt nun er eine Hand und noch sehr viel langsamer legt er sie an meine Schulter. Er legt den Kopf schief als wollte er fragen ist das okay?
"Ist es nicht ein bisschen spät um zu schwimmen?", frage ich schließlich. "Schwimmen?", wiederholt er zögerlich. "Ja im Meer, so mitten in der Nacht ganz allein ist schon seltsam.", erwidere ich und seine Hand verschwindet von meiner Schulter. Ein kurzes Lächeln umspielt seine Mundwinkel ehe er seine Maske wieder aufsetzt. "Allein...", flüstert er und wendet sich ab. Er geht über den Strand Richtung Stadt, und ich stehe da wie eine Irre uns starre ihm lange nach.

"Hope, du könntest nacher noch den Rasen mähen außerdem hat der Sturm neulich die dünne Palme umgeknickt, da könntest du einen Besenstiel dran festbinden damit die wieder einigermaßen Stand hat, ich fahre dann in den Salong.", sagt meine Mutter während sie sich im Flur vor dem Spiegel ihr dukelbraunes Haar nach oben steckt. "Ist gut.", murmle ich und kann es kaum erwarten das sie endlich das Haus verlässt denn dann kann ich wieder zum Strand hinunter, vielleicht taucht er ja nochmal auf. Erst hinterher hab ich begriffen das das wirklich total merkwürdig war. Immerhin hätte ich ihn eher sehen müssen. Doch dieses merkwürdige Gefühl das ich hatte lässt mich nicht mehr los. "Aber auch wirklich machen nicht nur ja sagen und lass Sunny in den Garten bevor du gehst ja.",sagt sie und drückt mir einen flüchtigen Kuss auf die Stirn. Ich sehe ihr nach und weiß genau das sie in den nächsten sechzig Sekunden wieder auftauchen wird weil sie wie immer den Autoschlüssel liegengelassen hat.
Ich liebe meine durchgeknallte Mutter, aber manchmal frage ich mich wer von uns beiden die Erwachsene ist. Seit mein Vater tot ist hat sie soetwas wie eine Midlife Crisis. Knallrote Klamotten. Bis spät Nachts ausgehen und ihre elterlichen Pflichten ein weinig ... naja vernachlässigen wäre jetzt zu viel gesagt aber nicht ganz so ernst zu nehmen. Kaum hab ich diesen Gedanken zuende gefasst stürmt sie auch schon wieder zur Tür herrein. "Ich hab die Schlüssel vergessen. Bis heute abend Schatz.", ruft sie als sie auf ihren roten Stilettos wieder hinaus stürmt. Ich höre wie sie das kleine knall rote Mercedes Capriolet anlässt aus der Ausfahr fährt und auf die Straße abbiegt. Die Stoßstange ist schon voller kleiner Dellen und ich bin erstaunt das sie dieses Mal die Alu- Mülltonnen der Nachbarn verschont hat.
Sunny scharrt mit einer Pfote an der Terrasssentür und sieht mich dann mit freudiger Erwartung an. Ihr Schwanz macht Kreise wie ein Propeller. Als sie bemerkt das ich sie ansehe lässt sie ihre lange rosa Zunge hinaushängen und kommt auf mich zu. Sie bemerkt das ich ihr die Tür öffnen will und tänzelt in freudiger Erwartung um mich herum. Schließlich öffne ich die Tür und sie schießt wie ein schwarzer Pfeil an mir vorbei in den Garten. Keine zwei Sekunden später ist sie im Pool um den Wasserball zu fangen.  Sunny ist ein schwarzer Schäferhund den wir aus dem Tierheim geholt haben. Wenn man in ihre großen Bernstein farbenen Augen schaut sieht man darin nichts anderes als Liebe, Dankbarkeit und Schalk. Und den lässt sie gerade besonders raus. Seufzend übertrete ich die Schwelle zum Garten gehe an der Seite an unserem großen weißen Haus entlang und hole einen Besenstiel und eine Schnur aus dem Schuppen. Unser Garten ist von hohen Hecken, Sträuchern und Palmen umramt die bei Stürmen jedesmal mehr in Mitleidenschaft gezogen werden. Unser Haus liegt auf einer Anhöhe in einer Siedlung auf Jupiter Island, Florida. Als ich mich gegen den Stamm der Palme stämme kann ich den Strand sehen und entdecke Carter der gerade mit Laprima entlang gejoggt kommt. Laprima ist ein Golden Retriver und Sunnys beste Freundin. Carter ist sechzehn wie ich und geht mit mir in eine Klasse der Jupiter Beach High School. Ich binde den Besenstiel an die Palme und betrachte mein Werk. Etwas schief, aber es wird schon eine Weile halten. Das Rasenmähen hatte auch später noch Zeit. Also taste ich an der Hecke entlang um das alte völlig verrostete Tor zu finden. Das dierekt zu einer Böschung fürt die unseren Garten einen direkten Zugang zum Strand  bietet. Leider ist es so verwuchert das ich gerade so durch die kleine Öffnung schlüpfen kann. Sorgfältig verschließe ich es denn Sunny hatte es schon ein paar Mal ausgenutzt um einen Alleinspatziergang am Strand zu machen. Vorsichtig schlittere ich die leicht steile Böschung hinab und lande weich im Sand. Das Wetter ist schwül und die Sonne lässt sich nur bedingt hinter den gräulichen Wolken erahnen. Mein Blick schweift über das Meer und ich frage mich was ich überhaupt suche. Immerhin ist es eigentlich schwachsinnig zu denken der misteriöse Typ der vorrangegangenen Nacht würde hier fröhlig vor sich hin plantschen.
Cater kommt zurück gejoggt und Laprima begrüßt mich stürmisch.
"Was machst du denn so ganz allein hier?", fragt er und fährt mit einer Hand durch seine fasst wasserstoffblonden Haare. Carter ist so der typische Surfertyp. Braungebrannt, sportlich und sehr sehr beliebt bei den Mädels. "Ich wollte nur was sehen weil .." Ich stocke ich konnte ihm ja wohl kaum von meiner seltsamen Begenung erzählen. Stattdessen schüttle ich kaum merklich den Kopf und sage dann: "Ich wollte sehen ob es warm genug zum schwimmen ist aber ich befürchte das Wasser ist zu kalt." Carter lächelt mich schelmisch an und einen Moment steht Stille zwischen uns. Dann packt er mich plötzlich und geht auf das Wasser zu. Schreiend und strampelnd versuche ich mich zu befreien was mir leider nicht gelingt denn schon liege ich mit voller Montur im Wasser.
"Na warte, das bekommst du wieder." rufe ich und jage hinter ihm her. Als ich ihn endlich zu fassen kriege fallen wir beide lachend ins Wasser. Als das Wasser mich überspült und ich unter Wasser den verschwommenen Himmel betrachte kriecht mir ein Gefühl den Rücken hinauf. Tränen brennen in meinen Augen und vermischen sich sogleich mit den sanften Wellen. Ich versuche sie wegzublinzeln. Und durchlebe vergangene Nacht noch einmal. Genauer gesagt den Moment als dieser fremde Typ seine Hand an meine Schulter gelegt hat. Einsamkeit erfasst mich. Und sie ist so stark das ich ich für einen Moment das Auftauchen vergesse. Meine Lunge schmerzt denn sie schreit nach Sauerstoff. Aber dieser Schmerz ist fasst erträglich im Gegensatz dazu was diese Einsamkeit in mir auslöst. Und dann tauche ich auf. Nach Luft ringend durchbreche ich die Oberfläche. Carter lacht noch immer und bespritzt mich mit Wasser, das Gefühl lässt sich je doch nicht so schnell wieder verdrängen also stehe ich da wie eine Irre, ganz genau wie in vergangener Nacht. "Hope? Alles okay bei dir?", fragt Carter und pfeift nach Laprima die sich ein Stück entfernt hat. Wortlos nicke ich und gehe aus dem Wasser. "Bist du dir sicher?", fragt Carter und meine Erstarrung löst sich."Ja es ist alles okay, aber ich muss unbedingt aus den nassen Klamotten raus, ich habe doch gesagt das Wasser ist zu kalt." Damit Carter sich keine Sorgen macht strecke ich ihm die Zunge heraus. Er schüttelt mit dem Kopf und pfeift mir nach während ich mich langsam entferne.
Wäre ich noch länger am Strand geblieben, hätte die Gefahr bestanden das ich vor Carter heulen zusammen gebrochen wäre. Zwar hat sich meine Erstarrung wieder gelöst doch ich fühle mich immernoch wie erschlagen. Mühsam erklimme ich die Böschung in dem ich mich an den Gewächsen festhalten und zwenge mich wieder durch die kleine Öffnung hinter dem Tor. Sunny liegt auf der Wiese und blinzelt mich kurz an ehe sie ihre Augen wieder schließt. Ich ziehe mich bis auf die Unterwäsche aus und breite meine Sachen auf der Therasse zum trocknen aus. Ich schlüpfe in die neon grünen Badelatschen und beschließe mir in der Küche noch etwas zuessen zu machen bevor ich unter die warme Dusche hüpfe. Meine Schulter fängt an zu jucken und ich überlege ob mich vielleicht irgendetwas gestochen hat während ich den Kühlschrank öffne und dessen Inhalt inspiziere. "Also Eier..", murmle ich weil meine Mutter noch nicht einkaufen war was sie ja des öfteren mal vergisst. Ich nehme noch eine Packung Milch heraus und warte das die Pfanne heiß genug wird. Wo hatte meine Mutter die Fernbedienung gelassen. Seufzend schiebe ich mich durch die offnene Küche und betrete das Wohnzimmer. Neben dem Fernsehere, was für eine seltsame Angewohnheit schließlich heißt das Ding nicht umsonst Fernbedienung. Ich setze die Milchpackung an meinen Mund und richte die Fernbedienung auf den Fernseher und halte mitten in der Bewegung inne als ich sehe das sich da noch jemand darin spiegelt ausser mir selbst. Ich lasse den Arm sinken und die Fernbedienung fallen , in der Küche brennt das Öl an denn es beginnt zu qualmen. Ich bin völlig erstarrt immernoch die Milchtüte am Mund. Entsetzt starre ich die Spiegelung an, drehe mich Zeitlupenartig herum. Der Typ vom Strand! Dann geht der Feuermelderlos und mein Verstand kehrt zurück. Ich haste in die küche stelle die Herdplatte aus und mache einen Deckel auf die qualmende Pfanne. Dann steige ich auf einen Stuhl um den Feuermelder auszustellen.
Dann renne ich zurück ins Wohnzimmer um zu sehen ob er immer noch dahsteht doch fehlanzeige. Als ich mir sicher bin das ich wieder allein bin erschreckt er mich erneut als er unvermittelt aus dem Badezimmer kommt.
"Sag mal spinnst du eigentlich? Ich wohne hier, du kannst nicht einfach ... einbrechen, ich meine, wie bist du überhaupt ins Haus gekommen?", ende ich schließlich unschlüssig was ich überhaupt von der ganzen Sache halten soll. Die Polizei anrufen? Die ganze Sache ignorieren? Ihn willkommen heißen? Oder ihn rausschmeißen und ihm zu drohen? Mein Verstand wollte mir einfach keine intelligente Lösung anbieten. Seufzend verschränke ich die Arme vor der Brust.
"Entschuldige, ich wusste nicht das es sich nicht gehört in das Haus eines anderen zu gehen ohne zu fragen, da wo ich herkomme gibt es solche Verhaltensregeln nicht. Alles ist eins.", sagt er und macht ein paar Schritte auf mich zu. Als ich zurückweiche bleibt er stehen. "Da wo du herkommst? Woher kommst du denn? Aus Europa?" Er beginnt zu grinsen und ich durchforste mein Gehirn nach den durchlebten Erdkundestunden und kann mich nicht ansatzweise an irgend ein Land erinnern das solche Bräuche pflegte, andererseits war es noch dümmer zu glauben das Europäer so irre wären, immhin war ich schon ein paar mal in Italien. Dann bemerke ich das er mich gar nicht antwortet. "Also was ist?", frage ich und kann ihm ansehen das er seine Antwort vorsichtig abwiegt. "Von überall.", antwortet er schließlich. "Und du bist hier weil?" "Ich wollte wissen ob es dir gut geht." Allmälich machte er mich nervös was interessierte ihn eigentlich meine Befindlichkeit wenn er mich doch nicht kannte? Und woher wusste er überhaupt wo ich wohne? "Und es ist hier gebräuchlich das man in seinem Haus in Unterwäsche herumläuft?", fragt er und legt den Kopf schief. Augenblicklich laufe ich knallrot an und spurte ins Badezimmer. Das hatte ich völlig vergessen, normalerweise war ich um diese Zeit auch allein im Haus. Ich werfe mir das Erstbeste über was ich finden kann, meinen Bademantel. Dann gehe ich aus dem Bad und höre Töpfe in der Küche scheppern. "Was machst du da.", frage ich und er zuckt mit den Schultern." "Du wolltest dir doch etwas zuessen machen, da dachte ich ich koche was für dich." "Da dachtest du du kochst was für mich? Was für ein seltsamer Typ bist du denn, und wie heißt du eigentlich?" "Du könntest meinen Namen nicht aussprechen auch wenn ich ihn dir sagen würde, daher nenn mich einfach Dean."